Nachmittag fährt uns Felipe zwei Stunden ins Landesinnere und wir treffen zwei Schwestern aus unserer Diözese: "Ich bin schon längst mehr Peruanerin als Deutsche", bekennt Sr. Consilia, die aus Steinach stammt. Als sie vor 44 Jahren als 23-Jährige begann, waren fast alle Schwestern Deutsche. Mit Nachdruck setzte sie sich dafür ein, dass spanisch gesprochen wird, wenn eine peruanische Schwester am Tisch sitzt. Jetzt sind es noch wenige Deutsche und die jungen peruanischen Schwestern studieren in Deutschland und Spanien und kehren nach Peru zurück.
Schwester Salesiana aus Immenreuth ist für den Betrieb des Exerzitienhauses mitzuständig - eine geistliche Oase. Durch die Sonntagszeitung und den wöchentlichen Email-Kontakt mit ihrem Bruder zuhause kann sie mir viel erzählen über Pfarrei und Dorf.
Es sollte nicht die letzte Oase sein. Denn abends ist für die "Missioneros" ein großes Ereignis: drei Ewige Professen. Aber wo! Ventanilla wurde uns als Armenviertel angekündigt, doch die Ecke des Viertels, in die wir kommen, besteht nur aus Hütten auf Sand auf einem steilen Hügel. Später hat die Stadt Strom und regelmäßig aufgefüllte Wassertonnen organisiert. Im Gegensatz zum Viertel des Vormittags ist dieses "junge Dorf" genannte Viertel erst vor etwa acht Jahren entstanden. Arm sind die Menschen, doch Gewalt ist (noch?) kein Thema.
Am unteren Ende haben die Missioneros mit Hilfe unserer Diözese und des Kolping-Diözesanverbandes ein Pfarrzentrum errichtet: Kirche, Pfarrsaal, Pfarrhaus.
Die Leute kommen, nicht nur Angehörige der drei Missioneros, auch viele Mütter und Kinder. Ein übergroßes Bild an der Fassade begrüßt den Bischof.
Die liturgische Arbeit ist auch Sozialarbeit: 42 Kinder zwängen sich auf die relativ kleine Empore zum guten Kinderchor, alle haben sie einen weißen Umhang, den sie nachher voller Stolz zeigen.
Die Kinder im Volk bekommen Luftballons mit in die Bank, die bis zum Ende alle das tun, was Ballons zu tun pflegen. Keinen stört es, auch nicht ein Dauermurmeln der Kinder. Sie gehören einfach dazu.
Gleich am Anfang der Messe werden die Kandidaten aufgerufen und antworten frisch und deutlich: "Presente", "Hier bin ich". Bischof Gerhard Ludwig lobt die Präsenz der Missioneros und spricht ihnen in einer auf spanisch frei gehaltenen Predigt Mut zu. Bewusst verbindet diese Kongregation die sozial schwierigsten Pfarreien (zur Pfarrei am vormittag nehmen die Patres schon mal aus Angst die Brille ab, wenn sie sie betreten) mit fröhlicher und feierlicher Liturgie: eine Quelle der Freude und der Hoffnung in der oft trostlosen Situation.
Tags darauf erzählt uns ein Pater von seinen Prinzipien der Pfarreiarbeit: Identität stiften, die Leute rausholen aus der Anonymität, ihnen zeigen, wie wertvoll sie als von Gott geliebte Kinder in der weltumspannenden Familie der Kirche sind.
Auch an diesem Abend sehe ich fast nur Mütter, die Kinder dabei haben, keine Väter. "Die Ehe ist in Peru schwach entwickelt," erklärt uns diplomatisch ein Pater und fügt hinzu, dass 50% der Kinder ohne Vater aufwachsen.
Michael Fuchs
Donnerstag, 27. November 2008
Hoffnung konkret
"Die Stadt" Lima sehen wir nicht, als wir in einen der neuen, durch die Landflucht aus dem Boden schießenden Distrikte fahren, dafür "Städte": Nach endlosen einfachen "Quadros" (mit 2-5-stöckige Wohnhäusern) tauchen die Glaspaläste der Baken auf, die uns beste Ordnung und Wohlstand vorgaukeln. Doch dann bricht diese Scheinwelt mit jeder Autoviertelstunde nach unten durch.
Auf der Panam-Autobahn, die ganz Amerika durchzieht, kommen wir in einen langen Stau: Eine Baustelle? Beim Vorbeifahren stockt uns der Atem: Neben einem Motorrad liegt bäuchlings ausgestreckt der Fahrer, alles ist voller Blut, zwei Helfer heben seine durchgestreckten Arme (Warum?). "Tot?" fragt der Bischof. "Totalmente", ist die kurze Antwort von P. Felipe, und es dauert einige Kilometer, bis wir wieder reden und ein kurzes Gebet sprechen können.
Längst sind wir wieder von der Nord-Süd-Panamerikana weg in Richtung Berge. Sandberge, trotzdem notdürftig von unten bebaut, solange der Untergrund hält. In einer engen, steilen Gasse halten wir.
Hier liegt ein neues Zentrum der "Missionare von der Versöhnung des Herrn der Wunder", wie die Kongregation von Padre Felipe heißt. Ein anderer "Missionero" und eine freudige Schar von Frauen und Kindern führt uns in die neu errichtete Kirche. Einige Frauen des Pfarrgemeinderats erklären, welche Hoffnung von dieser Kirche und von dem darunterliegenden Nähprojekt ausgeht, das Frauen nähen lernt, damit sie es weiterlehren und sie teilweise auch einer Näharbeit nachgehen können.
Bei all der bitteren Armut: Die Frauen wirken edel, selbstbewusst und stolz. Sie organiseren wichtige Schritte der Hoffnung, und als unser Bischof von der katholischen Kirche als einer weltumspannenden, großen Familie spricht, wissen sie, wie das konkret aussieht. Nach vielen Liedern und dem Segen wollen die "Familienfotos" kaum enden.
Zu Mittag sind wir im Haus der sutdierenden "Missioneros". 31 junge Männer bereiten sich 11 Jahre lang (!) auf die Ewige Profess vor, 38 haben es schon geschafft. (Ich rechne kurz durch, wieviel Plätze bei dem Zahlenverhältnis unser Priesterseminar bräuchte. :-) )
P. Felipe erzählt von seinem Konzept: Von Anfang an nur Peruaner aufzunehmen und damit den entscheidenden Schritt zu einer personell eigenständigen Kirche in Peru zu gehen.
Michael Fuchs
Auf der Panam-Autobahn, die ganz Amerika durchzieht, kommen wir in einen langen Stau: Eine Baustelle? Beim Vorbeifahren stockt uns der Atem: Neben einem Motorrad liegt bäuchlings ausgestreckt der Fahrer, alles ist voller Blut, zwei Helfer heben seine durchgestreckten Arme (Warum?). "Tot?" fragt der Bischof. "Totalmente", ist die kurze Antwort von P. Felipe, und es dauert einige Kilometer, bis wir wieder reden und ein kurzes Gebet sprechen können.
Längst sind wir wieder von der Nord-Süd-Panamerikana weg in Richtung Berge. Sandberge, trotzdem notdürftig von unten bebaut, solange der Untergrund hält. In einer engen, steilen Gasse halten wir.
Hier liegt ein neues Zentrum der "Missionare von der Versöhnung des Herrn der Wunder", wie die Kongregation von Padre Felipe heißt. Ein anderer "Missionero" und eine freudige Schar von Frauen und Kindern führt uns in die neu errichtete Kirche. Einige Frauen des Pfarrgemeinderats erklären, welche Hoffnung von dieser Kirche und von dem darunterliegenden Nähprojekt ausgeht, das Frauen nähen lernt, damit sie es weiterlehren und sie teilweise auch einer Näharbeit nachgehen können.
Bei all der bitteren Armut: Die Frauen wirken edel, selbstbewusst und stolz. Sie organiseren wichtige Schritte der Hoffnung, und als unser Bischof von der katholischen Kirche als einer weltumspannenden, großen Familie spricht, wissen sie, wie das konkret aussieht. Nach vielen Liedern und dem Segen wollen die "Familienfotos" kaum enden.
Zu Mittag sind wir im Haus der sutdierenden "Missioneros". 31 junge Männer bereiten sich 11 Jahre lang (!) auf die Ewige Profess vor, 38 haben es schon geschafft. (Ich rechne kurz durch, wieviel Plätze bei dem Zahlenverhältnis unser Priesterseminar bräuchte. :-) )
P. Felipe erzählt von seinem Konzept: Von Anfang an nur Peruaner aufzunehmen und damit den entscheidenden Schritt zu einer personell eigenständigen Kirche in Peru zu gehen.
Michael Fuchs
Mittwoch, 26. November 2008
In Ventanilla - wo die Gemeinschaft der Kirche beinahe mit den Händen zu greifen war


Nach einem Mittagessen bei den Misioneros de la Reconciliación wird eine Schwesterngemeinschaft am Rande der Stadt besucht. Der Weg dorthin führt durch Wüste, dort gibt es nicht mehr als Steine und entstehende Siedlungen, oft nur Bretterhütten. Die Schwesterngemeinschaft sind Franziskanerinnen aus Vierzehnheiligen (Oberfranken), die hier ein Exerzitienhaus unterhalten. Zwei der Schwestern, Sr. Consilia und Sr. Salesia, stammen aus dem Bistum Regensburg, aus der nördlichen Oberpfalz und aus dem niederbayerischen Teil. Junge peruanische Schwestern sind mit ihnen.
Auf dem Weg zu den Misioneros de la Reconciliación in Ventanilla, in einem weit entfernten anderen Stadtteil, fällt die bedrückende Wirklichkeit der Riesenstadt - sie gleicht einem Koloss - einmal mehr ins Auge. Kilometerweit Siedlungen, die von ärmlichsten Wohnverhältnissen geprägt sind. Die Menschen wirken abgestumpft. Sie können dem dauernden Krach, Schmutz und der Gefahr nicht entfliehen. Jeder versucht durchzukommen, so wie er es kann.
Ventanilla ist eine junge Siedlung am Hang. Immerhin: Leuchten geben auf den Straßen Licht. Wichtiger Mittelpunkt der Siedlung ist die neue katholische Kirche, direkt davor blanker Sand, keine befestigten Straßen. Auch hier haben die Misioneros die Seelsorge übernommen. Das Geld für den gelungenen Kirchenbau - ein Plakat des Bischofs ist an der Front befestigt - stammt wie schon in Yerbateros aus Regensburg. Aber auch hier gilt, dass der Bischof alles andere als ein Unbekannter ist. Er, der vor vielen Jahren begann, die damals noch ganz junge Gemeinschaft zu unterstützen, trifft immer wieder auf junge Priester, deren akademischer Lehrer er in Peru war. Mit allen Menschen, darunter vor allem jungen Menschen, unterhält sich Bischof Gerhard Ludwig Müller fließend auf Spanisch.
Drei junge Ordensleute aus Peru legen während des Gottesdienstes ihre endgültigen Gelübde ab. Padre Felipe sitzt neben dem Bischof. Übrigens sind die Misioneros ein Orden, dem derzeit nur Peruaner angehören, und der sich um die Missionierung in Peru kümmert. Die Gemeinschaft der Missionare entwickelt sich sehr gut.
Nach dem bewegenden Gottesdienst, an dessen Ende zahlreiche Lebehochs ("Viva!") u. a. auf den Heiligen Vater in Rom ausgebracht worden sind, herrscht frohe Stimmung, die überdeutlich mit der bedrückenden Lebenswirklichkeit der Menschen kontrastiert. Der Bischof wird nicht müde, auf die Bedeutung der Solidarität und der Familie hinzuweisen. Die Menschen fühlen sich bestärkt, denn sie wissen, was die Familie für sie bedeutet. Am Ende drängt es viele Gläubige, mit Bischof Gerhard Ludwig buchstäblich in Berührung zu kommen. Sie strömen zu ihm und er segnet die Menschen, immer wieder segnet er die gerührten Menschen. Auch die zahlreichen Mitglieder der Gesangsgruppe der jungen Pfarrei kommen eigens und lassen sich gerne fotografieren. Die große Gemeinschaft der Kirche ist beinahe mit den Händen zu greifen.
Yerbateros


Besuch in Yerbateros, wo die Misioneros de la Reconciliación del Senor de los Milagros eine Pfarrei betreuen. Es ist nicht einfach, das richtige Wort für die Beschreibung der Wohnverhältnisse zu treffen. Sie sind sehr ärmlich, aber damit ist das Eigentliche nur ungenügend beschrieben. Es ist bedrückend zu sehen, wie Menschen hier (über)leben.
Und dennoch: Sie freuen sich über den Besuch des Bischofs. Das Bistum Regensburg hat den Bau der Kirche finanziert. Hier zeigt sich aber, dass es um viel mehr geht als nur die Finanzierung einer Kirche. Viele Menschen kommen eigens, um dem Bischof und weiteren Vertretern des Bistums Regensburg zu begegnen. Und es sind echte Begegnungen: spontan und von einer besonderen Herzlichkeit getragen. Eine Frau, die Mitglied des Pfarrgemeinderats ist, steht auf und berichtet vom Leben in der Pfarrei. Auch Weihbischof Adriano Tomasi, einer der Weihbischöfe von Lima, ist gekommen. In der neuen Kirche, an deren Bau sich auch Kolping-Mitglieder aus der Diözese Regensburg beteiligten, steht der Schriftzug neben dem großen Kreuz an der Wand hinter dem Altar "Mich dürstet" (Tengo sed).
Ein Stockwerk unterhalb der Kirche, die das Patrozinium der seligen Teresa von Kalkutta trägt, wurde eine Nähwerkstatt eingerichtet, die zahlreichen Frauen Arbeit gibt. Immer wieder suchen Gläubige die Nähe zu Bischof Müller, werden gesegnet. Am Ende ist immer wieder die Bitte zu hören, doch wiederzukommen. Und: "Vergessen Sie uns nicht." Das ist ganz praktisch gemeint, denn die vielen Menschen wissen, dass sie vergessen sind, in einer Stadt, die sich immer weiter ausbreitet und die gar keine innere Struktur hat.
Das Viertel Yerbateros liegt an einem steilen Hügel; die Hauptstraße dorthin ist eine wie sie es tausende in ganz Lateinamerika gibt: breit, laut, extrem befahren und voller Abgase, die aus schlecht verbrennenden Motoren stammen. Schwere Busse, in denen Menschen zusammengepfercht sind, rattern über die Löcher hinweg. Der Straßenbelag ist vielfach zerstört, Besserung nicht in Sicht. An den Kreuzungen versuchen Menschen, Geld mit dem Verkauf von Getränken oder Eis oder Sonstigem zu verdienen. Die Abgase sind unerträglich. Wie halten diese Menschen den Dauerqualm und -lärm überhaupt aus?
Das erste große Interview - Bischof grüßte alle Peruaner von Papst Benedikt XVI.
Bischof Gerhard Ludwig gibt in diesen Minuten sein erstes umfassendes Interview, im Wohnzimmer des Pfarrhauses des deutschsprachigen Gemeinde. Interviewpartner ist Kurth Mendoza Gutierrez, Medienreferent der Katholischen Universität von Peru. Frau Ordinariatsrätin Maria Luísa Öfele, die muttersprachlich auch Spanisch spricht, ist ebenfalls anwesend. Allerdings hat sich Bischof Gerhard Ludwig bereits am ersten Tag voll in der spanischen Sprache eingefunden, so dass allenfalls besondere Fachausdrücke den Bischof kurz zu ihr blicken lassen.Der Bischof spricht von einer "großen Ehre", die damit einhergeht, dass ihm in wenigen Tagen die Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität von Peru verliehen wird. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger sow der Kardinal Rodriguez von Honduras haben sie vor ihm erhalten. Als Bischof Gerhard Ludwig wegen der Edition der Gesammelten Schriften des Heiligen Vaters in Audienz beim Heiligen Vater war, so berichtet er jetzt, hat Papst Benedikt XVI. ihm anlässlich dieser Auszeichnung persönlich gratuliert. Bei der Gelegenheit dieser Audienz sprach der Papst über seinen Aufenthalt in Peru – das war 1984. Außerdem hat Papst Benedikt Bischof Gerhard Ludwig bei dieser Gelegenheit aufgetragen, "alle Peruaner" herzlich von ihm zu grüßen. Kurth Mendoza ist gerührt und bedankt sich gleich während des Interviews für die Grüße aus Rom.
Dann geht das Interview zu einem ganzen Bündel von Themen, unter anderem auch ökumenische Beziehungen und die Aufgaben einer katholischen Universität. Der Bischof sagt, dass das "Nagen" der Sekten in Lateinamerika an der katholischen Kirche, das heißt: die Proselytenmacherei unter Katholiken, schlecht ist. Sie widerspreche der Ökumene. Wenn missioniert werden solle, dann bitte nicht auf dem ohnehin katholischen Kontinent Südamerika, sondern zum Beispiel in China. In wenigen Minuten kommt Padre Felipe, langjähriger Freund des Bischofs, um in den folgenden Stunden zusammen ein Hilfsprojekt bei Lima anzusehen. "Bei Lima" ist allerdings ein dehnbarer Begriff, denn die Acht-Millionen-Einwohner-Metropole bringt häufig extrem lange Wege mit sich, zu den Stoßzeiten auch Chaos im Straßenverkehr und viel Stau.
Heute abend um 19 Uhr wird dann die Heilige Messe bei Padre Felipe gefeiert, während der drei Ordensleute ihre Ewige Profess ablegen. Jetzt wird aufgebrochen.
Angekommen

Der zwölfstündige Flug von Madrid nach Lima schien nicht enden zu wollen. Liegen Welten dazwischen? Jedenfalls werden Bischof Gerhard Ludwig Müller und ich am Flughafen sehr freundlich empfangen: Der frühere, langjährige Leiter des Instituts für Demokratie und Menschenrechte, Dr. Salomon Lerner, war selbst gekommen.
Im Auto war dann schnell klar: Die beiden kennen sich lange, und: Diese weit entfernte, andere Welt ist die zweite Heimat des Bischofs. Zum 16. Mal ist er in Peru.
Im Hupkonzert der abendlichen Rush-Hour in der Acht-Millionen-Stadt deutet er immer wieder auf bekannte Straßen und Häuser, erkundigt sich über die politische Situation nach dem Regierungswechsel und freut sich darauf, dass am Freitag sein Freund Gustavo Gutierrez eigens aus den USA anreisen wird.
Der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde Tibor Szeles - ein Freiburger Diözesanpriester mit schwarzem Bart - ist erst seit September hier und erzählt mit strahlenden Augen über seine 200-Seelen-Gemeinde (manche fahren eine Stunde zur Sonntagsmesse!) und seine kleine Pfarrhof-Farm mitten in der Metropole. Er überlegt, sich wie sein Vorgänger einen Hund anzuschaffen - wegen der Sicherheit -, und mehrere Bewegungsmelder.
Ich erinnere mich an die Warnung des Piloten vor Taschendieben, an die verschlossene Hintertür des Autos, an die gestiegene Zahl an Mordfällen, von denen Dr. Lerner erzählte. Die enormen sozialen Unterschiede führen zu großen Spannungen, die sich immer wieder gewaltsam entladen. Wie soll Kirche darauf reagieren?
Womit wir schon beim Thema der Ansprache des Bischofs am kommenden Freitag wären. Und bei den Projekten und Gesprächen, die vor uns liegen. Doch alles zu seiner Zeit.
Erst mal falle ich nach einem 24-Stunden-Tag todmüde ins Bett.
Michael Fuchs
Im Auto war dann schnell klar: Die beiden kennen sich lange, und: Diese weit entfernte, andere Welt ist die zweite Heimat des Bischofs. Zum 16. Mal ist er in Peru.
Im Hupkonzert der abendlichen Rush-Hour in der Acht-Millionen-Stadt deutet er immer wieder auf bekannte Straßen und Häuser, erkundigt sich über die politische Situation nach dem Regierungswechsel und freut sich darauf, dass am Freitag sein Freund Gustavo Gutierrez eigens aus den USA anreisen wird.
Der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde Tibor Szeles - ein Freiburger Diözesanpriester mit schwarzem Bart - ist erst seit September hier und erzählt mit strahlenden Augen über seine 200-Seelen-Gemeinde (manche fahren eine Stunde zur Sonntagsmesse!) und seine kleine Pfarrhof-Farm mitten in der Metropole. Er überlegt, sich wie sein Vorgänger einen Hund anzuschaffen - wegen der Sicherheit -, und mehrere Bewegungsmelder.
Ich erinnere mich an die Warnung des Piloten vor Taschendieben, an die verschlossene Hintertür des Autos, an die gestiegene Zahl an Mordfällen, von denen Dr. Lerner erzählte. Die enormen sozialen Unterschiede führen zu großen Spannungen, die sich immer wieder gewaltsam entladen. Wie soll Kirche darauf reagieren?
Womit wir schon beim Thema der Ansprache des Bischofs am kommenden Freitag wären. Und bei den Projekten und Gesprächen, die vor uns liegen. Doch alles zu seiner Zeit.
Erst mal falle ich nach einem 24-Stunden-Tag todmüde ins Bett.
Michael Fuchs
Dienstag, 25. November 2008
Ankunft von Bischof Gerhard Ludwig Müller

Eine Kamera am Leitwerk des Airbus zeigte, wie das eigene Flugzeug, herabsteigend von den Anden-Höhen, über das Lichtermeer Limas hinweg einfliegt. Lima, Perus Hauptstadt, hat acht Millionen Einwohner, ähnlich wie Bogotá. Allerdings liegt es am Pazifischen Ozean. Das Meer ist nur wenige hundert Meter von der Kirche St. Josef der Deutschen Gemeinde entfernt. Das Klima ist mild, heute um die 20 Grad. Die Fahrt vom frisch renovierten Flughafen zur Gemeinde zeigt saubere Straßen und, wie in den Metropolen Lateinamerikas üblich, viele Busse. Die Luftverschmutzung ist weniger belastend als in anderen Riesenstädten. Offenbar zieht viel davon über dem Ozean ab. Viele Lichterspiele an den Hauptstraßen, ein gutes Zeichen: die Menschen trauen sich auch noch in der Dunkelheit auf die Straßen. Im Zimmer angekommen dringt im ersten ruhigeren Moment der Reise der geräuschvolle Straßenverkehr ins Ohr, es wird viel gehupt.
Das Leben in der Deutschen Gemeinde ist geprägt von der Feier gemeinsamer Gottesdienste, aber auch gemeinsamer Aktivitäten. In Kürze werden "waffeles alemanes" - deutsche Waffeln - gebacken. Allerdings herrscht freudige Stimmung - wegen der Ankunft von Bischof Gerhard Ludwig. William, der Mesner der deutschen Gemeinde, gestaltet Blumen zu einem geschmackvollen Gesteck zusammen. Eines hat sich seit meinem letzten Aufenthalt in Bogotá jedenfalls nicht geändert: die Menschen sind sehr freundlich und stets hilfsbereit.
Das Leben in der Deutschen Gemeinde ist geprägt von der Feier gemeinsamer Gottesdienste, aber auch gemeinsamer Aktivitäten. In Kürze werden "waffeles alemanes" - deutsche Waffeln - gebacken. Allerdings herrscht freudige Stimmung - wegen der Ankunft von Bischof Gerhard Ludwig. William, der Mesner der deutschen Gemeinde, gestaltet Blumen zu einem geschmackvollen Gesteck zusammen. Eines hat sich seit meinem letzten Aufenthalt in Bogotá jedenfalls nicht geändert: die Menschen sind sehr freundlich und stets hilfsbereit.
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